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Teures Abenteuer mit der Bahn

Artikel aus der Deggendorfer Zeitungvom vom 10.01.2003

Den neuen, günstigen Frühbuchertarif der Bahn wollte Bürokauffrau Ulrike Kral nutzen. Die Reise von Passau nach Wismar wurde zum teuren Abenteuer. Der Bericht der 24-Jährigen:


Gleich 40 Prozent billiger wenn man mindestens sieben Tage vor der Reise bucht - das hört sich ja nicht schlecht an. Wismar war mein Ziel. Ich beschloss, vom 3. bis 6. Januar meinen zukünftigen Arbeitskollegen zu besuchen und gleichzeitig in Hamburg in ein Musical zu gehen.
Am 6. Dezember 2002 rufe ich also bei der Deutschen Bahn an und reserviere über "Plan und Spar" mein Hin- und Rückfahrticket - 40 Prozent günstiger. Die Dame am Telefon ist sehr nett, macht mich darauf aufmerksam, dass ich in Nürnberg, Hamburg und Bad Kleinen umsteigen muss. Um 7:25 Uhr soll's losgehen; um 16:26 Uhr Ankunft in Wismar.
Und das für sage und schreibe 138 Euro. Ich mache mir selbst noch eine kleine Freude und lasse mir einen Sitzplatz reservieren, was mich ja nur 2,60 Euro kostet.
Am 3. Januar um 7:15 Uhr steh' ich am Bahnhof Passau und mein Zug ist schon da; ich schau' noch mal auf die Reservierung, lande im richtigen Wagen, steuere auf meine Sitzplatznummer zu - und siehe da, dieser Platz ist tatsächlich reserviert - allerdings nicht für mich. Erstes Erstaunen, vor allem, weil es allen mitfahrenden Gästen in meinem Wagen nicht anders ergeht. Aber - ist ja nicht schlimm, man ist ja erwachsen, einigt sich schnell mit seinen Mitfahrern und sitzt auch schon. Nur ein älterer Herr hat tatsächlich ein Problem: Seine auf dem Ticket stehende Sitzplatznummer gibt es gar nicht! Er beschließt, sich neben seine Frau zu setzen, deren Sitzplatznummer und Sitzplatz tatsächlich vorhanden sind, und auf den Zugbegleiter zu warten. Der kommt auch und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Ist ja nicht so schlimm, letztendlich sitzt jeder und es kann losgehen.
Kurz vor Nürnberg, meinem ersten Umsteigeziel, kommt die Durchsage, dass unser Zug Verspätung hat, und der Anschlusszug nicht warten kann. "Bitte bleiben Sie sitzen", spricht der Schaffner, "und fahren, sie bis Würzburg mit. Dort erreichen Sie Ihren Anschlusszug." Gesagt, getan; allerdings sind unsere Plätze nur bis Nürnberg reserviert - und andere machen jetzt ihren Sitzplatz geltend. Aber auch hier kann man sich einigen, der Zug ist Gott sei Dank nicht ganz voll.

Zweimal den Anschluss verpasst!
Kurz vor Würzburg dann die nächste Durchsage, "Leider wird der Anschlusszug von Würzburg nach Hamburg auch nicht erreicht, daher werden die betroffenen Fahrgäste gebeten, in Würzburg auszusteigen und auf den nächsten Anschlusszug zu warten." Der trifft gut 50 Minuten später ein. Wir steigen also in Würzburg aus und rennen erstmal an den Schalter, um unsere Sitzplatzreservierung umschreiben zu lassen. Die Dame ist sehr nett und sagt, "Sie können leider Ihren Sitzplatz nicht umreservieren, weil der Zug schon komplett ausgebucht ist; es kann sogar sein, dass Sie stehen müssen." Mit diesen Worten zahlt sie uns die 2,60 Euro Reservierungsgebühr aus. Netter Trost 138 Euro, damit man von Würzburg nach Hamburg stehen kann. Das sag' ich auch der "netten Dame am Schalter", doch die meint nur, dass das nicht ihr Problem sei! Ich werde das erste Mal wütend, und als der ersehnte Zug endlich eintrifft, bemühe ich mich, als Erste der Ersten rein zu kommen, um vielleicht doch noch einen Sitzplatz zu ergattern. Ein Glück - ich sitze. Alle anderen stehen tatsächlich. Einmal in Hamburg, gibt es keine Komplikationen mehr, das Umsteigen von Hamburg nach Bad Kleinen und von Bad Kleinen nach Wismar verläuft ohne Schwierigkeiten.
Das ganze Wochenende über schneit es in Hamburg und Wismar heftig, und ich mache mir ernstlich Gedanken, ob ich am Montag tatsächlich nach Hause fahren kann und ob das mit den Zügen wohl klappt. Also hab' ich folgende Idee: Am Sonntag ist das Musical in Hamburg, und ich rufe bei der Bahn an um herauszufinden, ob es eine Möglichkeit gibt, gleich Sonntagnacht weiter nach Hause zu fahren. Wieder ist die Dame am Telefon sehr nett. Kein Problem, ein Zug gehe um 23:05 Uhr, ich müsse nicht umsteigen, er brauche allerdings 11,5 Stunden bis Passau, und ich müsse eine Umbuchungsgebühr von 45 Euro zahlen. Allerdings, sagt die nette Dame noch, könne ich die Umbuchung nicht am Telefon, sondern nur am Schalter vornehmen. Ich denk: "Ok, die Umbuchungsgebühr nehm' ich in Kauf, denn die Fahrt von Wismar nach Hambug und wieder zurück hätte ich ja auch bezahlen müssen". Also begeben wir uns Sonntagnachmittag, eine Stunde bevor der Zug uns nach Hamburg zum Musical bringt, an den Bahnschalter von Wismar. Ich erkläre der Dame den Sachverhalt, und sie sagt mir ganz freundlich, dass das etwas koste. Ich antworte "Ich weiß, die Umbuchungsgebühr." Daraufhin meint sie, Nicht nur, ich müsse ja auch die Differenz bezahlen zwischen dem Betrag des Plan-und-Spar-Tickets und dem normalen Tarif. Davon hat mir die nette Dame am Telefon nichts gesagt, und das sag' ich auch der Dame am Schalter. Diese geht darauf gar nicht ein, greift sich mein Ticket und tippt im Computer rum und tippt rum und tippt rum. Irgendwann, nach etwa zehn Minuten, und kurzem Verschwinden, drückt sie mir mein Ticket in die Hand und sagt, dass sie mein Ticket leider nicht umbuchen könne, Eine Zahl unten links sei nicht lesbar, weil irgendwelche Zugbegleiter bei meiner Fahrt nach Hamburg darüber gestempelt haben. Sie brauche aber genau diese Zahl zum Umbuchen: Ich frage, was ich jetzt ihrer Meinung nach machen soll? Sie meint nur, dass das nicht ihr Problem sei und ich solle mich doch beim Zugführer beschweren.

Unterwegs als "Halbschwarzfahrer"
Spätestens jetzt rasten nicht nur ich aus, sondern auch mein guter Freund und dessen Mutter. Wir verlangen, einen Vorgesetzten zu sprechen, doch die Dame meint, dass ja Sonntag und außer ihr niemand da sei. Daraufhin wollen wir, dass sie uns schriftlich gibt, dass sie das Ticket nicht umbuchen kann, und wir wollen ihren Namen wissen. Zunächst weigert sich Frau Regner, irgendwas zu schreiben, aber die Schlange hinter uns wird immer länger, und wir weigern uns zu gehen, bis sie auf der Rückseite des Tickets vermerkt, dass sie die Zahlen nicht lesen und deshalb nicht umbuchen kann. Mit dem nicht gebuchten Ticket mach' ich mich also als "Halbschwarzfahrer" auf den Weg nach Hamburg und warte nun darauf, dass ein Zugbegleiter kommt. Dem werde ich die Story schon erzählen, Aber keiner kommt ...
In Hamburg haben wir noch gut eine Stunde bis zum Beginn des Musicals, Wir beschließen, gleich noch am Schalter mein Ticket umbuchen zu lassen. Doch hier wartet eine riesige Ansammlung von Menschen. Also nach dem Musical. Wir haben Glück Nur fünf Minuten, und wir sind dran, Ich lege dem netten Herrn am Schalter mein Ticket vor und erkläre ihm, dass ich umbuchen möchte. Er meint, ob ich das nicht schon früher hätte wissen können? Ich erzähle von der netten Dame aus Wismar, der ich bereits um 15 Uhr meine Aufwartung gemacht habe. Der nette Mann am Hamburger Schalter schüttelt nur den Kopf und sagt, dass die Zahl auf dem Ticket für eine Umbuchung doch gar nicht nötig sei! Ich könne noch in den Zug, er rate mir aber zu reservieren, denn der Zug werde voll. Und die Reservierung koste ja nur 2,60 Euro - zuzüglich der Zusatzkosten. Die Umbuchungsgebühr von 45 Euro? Die auch, aber auch den Differenzbetrag aus Plan und Spar und dem normalen Ticket. Er dreht mir den Bildschirm des Computers zu und meint "Sehen Sie selbst her, was ich eintippe."
Er gibt die Zugstrecke Wismar - Passau ein, und es erscheint ein Betrag deutlich über 100 Euro. Ich frage "Wieso tippen Sie die Strecke von Wismar nach Passau ein, ich stehe doch hier bei Ihnen in Hamburg?" Er erklärt, dass auf meinem Ticket nun mal von Wismar nach Passau stehe, darum müsse er das so eingeben.
Ich werde langsam ungeduldig und frage, was ich also noch zu zahlen hätte. Daraufhin meint er ganz trocken: 111,80 Euro exklusiv der 2,60 Euro Platzresevierung. Ich schlucke und denke nur: Ich will heim, egal was das kostet, und zahle für ein neues Ticket.
Um 23:05 Uhr kommt mein Zug ganz pünktlich. Ich steige ein und suche meinen Sitzplatz, Ich finde ihn auch, aber reserviert ist er nicht. Im Gegenteil: Gerade macht es sich ein älterer Herr auf meinem Sitzplatz bequem, Ich zeige ihm höflich meine Reservierung, er steht sehr freundlich auf, und ich habe meinen Sitzplatz.
Übrigens von wegen "voller Zug": Von den fünf Sitzplätzen im Abteil sind bis ein Uhr morgens drei besetzt, von ein Uhr bis 5:30 Uhr bin ich mit einer Frau alleine, ab 5:30 Uhr sitze ich hier ganz allein.
Plan und Spar, Alles in allem hab' ich 249,80 Euro gezahlt. Nur, weil ich einen Tag eher nach Hause wollte.

Danke, Bahn - Du bist wirklich gut und günstig!

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