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Das endgültige Ende der Bahnlinie nach 91 Jahren

Aus dem Lokalteil der 'Deggendorfer Zeitung' vom 04.11.2004


Ein Mini-Bagger auf Schienen riss am Dienstag Schienen und Schwellen
bei Waltersdorf aus und beseitigte so die letzten Spuren der stillgelegten
Nebenbahnlinie.

Hengersberg:
In diesen Tagen werden die letzten Gleise zwischen Hengersberg und Eging herausgerissen. Nach 90 Jahren gehört die Nebenbahn der Geschichte an. An der stillgelegten Bahnlinie bei Waltersdorf entfernte ein Minibagger am Dienstag (02.11.2004) Schienenteile samt Schwellen. Der Modell-Eisenbahn-Verein (MEV) Deggendorf veranstaltet daher eine "Nachruf-Veranstaltung".
Mit der Schaufel riss der Bagger die Schienenstränge aus der Verankerung und fuhr die demontierten Bestandteile anschließend zum Bahnhof Schwanenkirchen, wo sie zwischengelagert werden. Auch vor den Hinweisschildern am ehemaligen Bahnübergang machte die Baggerschaufel nicht Halt. Sie zog diese aus dem Boden und transportierte sie zu den gestapelten Schienenteilen. Viele sehen die Demontage mit etwas Wehmut. Der MEV und die Kunst- und Museumsfreunde Hengersberg würdigen die Bahn am Freitag (05.11.2004) in einer "Nachruf-Veranstaltung".
Vor 90 Jahren feierte die Bevölkerung die neu eröffnete Nebenbahn. Sie war damals der Innbegriff für Fortschritt. Etwa ein Menschenalter leistete die Bahnstrecke wertvolle Dienste für die Vorwaldregion. Heute findet nur mehr Güterverkehr auf dem Abschnitt Deggendorf-Hengersberg statt. Auf den ersten Blick stellte sich der Streckenverlauf eher unauffällig dar. Aufwändige Kunstbauten, wie Viadukte und Tunnels fehlten. Vielfältig gestalteten sich jedoch die Bahnstationen. Die Architektur der Bahnhöfe Hengersberg, Außernzell und Eging hatte Seltenheitswert. Nirgends sonst findet man Bahnhofsgebäude mit Mansarddächern.
Der unterschiedliche Güterumschlag hob die Stationen ebenfalls hervor. Das Braunkohlebergwerk Schwanenkirchen errichtete eine Schachtanlage am Bahnhof. Am Bahnhof Außernzell sorgte der Tonabbau mit seiner schmalspurigen Feldbahn für Hochbetrieb. Fast vergessen sind die Anlagen des Betriebsmittelpunkts Eging. Besonders die untergegangene Lokstation fasziniert die Fans. Die Drehscheibe und der Lokschuppen verschwanden bereits in den 60er Jahren.
In Eging engagierte sich die Bahn auch im sozialen Bereich. Sie errichtete drei Dienstwohnhäuser mit jeweils vier Parteien. Gewöhnliche Arbeiterfamilien bekamen großzügige und komfortable Unterkünfte. Dem MEV Deggendorf ist die hiesige Verkehrs- und Industriegeschichte ein besonderes Anliegen. Der Verein stellt morgen, Freitag (05.11.2004), in der "Nachruf-Veranstaltung" im Spital Hengersberg ein Buch über die Nebenbahn Deggendorf-Eging heraus. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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