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Das leben der Edith Stein

Ein Leben für die Rettung Deutschlands und den Frieden der Welt
Geboren am »Tag der Versöhnung«

Edith Stein wurde als elftes Kind einer strenggläubigen, jüdischen Holzhändlerfamilie am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren. Nach dem jüdischen Kalender war das der »Jom Kippur«, d. h. der »Tag der Versöhnung«. Edith Stein bemerkte hierzu: »Sie (meine Mutter) hat auf diese Tatsache großen Wert gelegt, und ich glaube, daß dies mehr als alles andere dazu beigetragen hat, ihr ihr jüngstes Kind besonders teuer zu machen.« Nach jüdischem Glauben wurde am »Tag der Versöhnung« als Zeichen ein Ziegenbock, beladen mit der Schuld des ganzen Volkes, in die Wüste gejagt. Dieser »Tag der Versöhnung« war für Edith Steins ganzes Leben von tiefster Zeichenhaftigkeit.

Ihr Vater starb als sie eineinhalb Jahre alt war. Dieser Verlust prägte die gesamte Kindheit. Die Mutter, eine Frau von unwahrscheinlicher Energie, brachte es fertig, anstelle des Vaters in das Geschäft einzusteigen, das er aufgebaut hatte. »Meine Mutter war eine Kaufmannstochter... Schritt für Schritt gelang es ihr, sich emporzuarbeiten. Es war schon nicht einfach, sieben Kinder (vier Kinder starben im Kindesalter) satt zu bekommen und zu bekleiden. Wir haben nie gehungert, aber an größte Einfachheit und Sparsamkeit sind wir gewöhnt worden, und etwas davon ist uns bis heute geblieben.«

Edith Stein war ein begabtes, sensibles Kind, das die Schule glänzend durchlief. Mit vierzehn Jahren jedoch weigerte sich Edith plötzlich, die Schule weiterhin zu besuchen. Fast ein Jahr half sie ihrer Schwester in Hamburg im Haushalt. Die gläubige Mutter beunruhigte aber mehr als alles andere die negative religiöse Einstellung ihrer Tochter, die bekannte: »Von meinem dreizehnten bis einundzwanzigsten Lebensjahr war ich Atheistin, weil ich nicht an das Dasein Gottes glauben konnte.«

Begegnung mit dem Philosophen Husserl
Nach einem glänzenden Abitur durfte Edith Stein dank des Weitblicks ihrer Mutter studieren. Das Studium einer Frau war zur damaligen Zeit ziemlich ungewohnt. Am ersten Tag ihres Studiums bemerkte der Professor: »Wenn ich sage »Meine Herrn«, dann meine ich natürlich auch diese Dame dort.«

Zunächst suchte Edith in Breslau in der Psychologie nach einer Antwort auf die Sinn- und Wahrheitsfrage. Sie setzte ihr Studium in Göttingen bei Professor Husserl fort und gehörte aufgrund ihres überragenden Intellekts, zähen Willens und Ehrgeizes sofort zum engsten Kreis um den Professor, der mit seiner phänomenologischen Methode einen Umschwung in der Philosophie unseres Jahrhunderts herbeiführte. 1916 promovierte Edith Stein über »Das Einfühlungsproblem in seiner historischen Entwicklung und in phänomenologischer Betrachtung« bei Husserl, der von Göttingen nach Freiburg übersiedelte und dessen Assistentin sie dort wurde.

Brennendes Interesse am politischen Geschehen, feuriger Einsatz für die Gleichberechtigung der Frau, ausgeprägtes soziales Verantwortungsbewußtsein kennzeichneten schon ihre Studienjahre. Während des Ersten Weltkrieges meldete sich Edith Stein zum Dienst in einem Seuchenlazarett. Sie schreibt: »Wir sind auf der Welt, um der Menschheit zu dienen!«

» Gott ist die Wahrheit. Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht. «
Bei der Begegnung mit einer gläubigen Freundin begann sich das Leben von Edith Stein zu wandeln: 1917 erhielt sie die Nachricht, daß Dr. Reinach, ein ihr sehr teurer Freund, gefallen ist. Husserl bat Edith Stein, beim Ordnen des Nachlasses von Dr. Reinach zu helfen. Ihr war angst und bange vor dem Zusammentreffen mit Frau Reinach, der jungen Witwe. Doch diese war am Leid nicht zerbrochen, sondern konnte sogar die trost- und ratlose Edith Stein aufrichten. Diese schrieb: »Es war meine erste Begegnung mit dem Kreuz, meine erste Erfahrung der göttlichen Kraft, die vom Kreuz ausgeht... Das war der Moment, in dem meine Ungläubigkeit zusammenbrach, in dem der jüdische Glaube verblaßte und Christus vor meinem Auge strahlend erstand: Christus im Geheimnis seines Kreuzes!«

Als Edith Stein im Sommer 1921 zu Besuch bei den Eheleuten Martius war, griff sie vor dem Schlafengehen aufs Geradewohl eine Schrift aus dem Bücherschrank und fand die Autobiographie der Theresia von' Avila. Sie erzählt: »Ich begann zu lesen, war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende. Als ich das Buch schloß, sagte ich mir: »Das ist die Wahrheit!« Es war früher Morgen. Noch am selben Vormittag kaufte sie einen Katechismus und ein Meßbuch, studierte sie mit großer Sorgfalt und Eile, begab sich in eine katholische Kirche, bat nach der Messe den Priester kurzerhand um die Taufe. Dieser antwortete mit verwundertem Blick, daß der Aufnahme in die Kirche eine Vorbereitung vorangehen müsse. »Wie lange haben Sie schon Unterricht erhalten und wer erteilte denselben?« Als Antwort konnte sie nur erwidern: »Bitte,...prüfen Sie mich!«

Am Neujahrstag 1922 empfing sie die Taufe. Zugleich wünschte sie, in den Orden der Theresia von Avila einzutreten und Karmelitin zu werden. Doch ihre Ratgeber, vor allem der Abt von Beuron, fanden, sie sollte »mitten in der Welt« arbeiten. Vor allem mit Rücksicht auf ihre Mutter, die strenggläubige Jüdin war und bereits unter der Konversion litt, stellte Edith ihren Wunsch zurück.

Lehrtätigkeit
Nach ihrer Taufe gab Edith Stein ihre wissenschaftliche Laufbahn auf. Habilitationsversuche scheiterten an zeitbedingten Vorurteilen: Sie war Jüdin, Frau und überzeugte Katholikin. Ihre Aufgabe sah sie nun darin, junge Menschen heranzubilden.

So lehrte sie in der Zeit von 1922 bis 1933 zuerst am Pädagogischen Institut der Dominikanerinnen in Speyer - unter Verzicht auf ihren Gehalt - und dann am Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Zugleich setzte sie sich für Arme und sozial weniger Begünstigte ein. Sie war eine begehrte Rednerin. Immer häufiger war sie auf Reisen, um Vorträge in Deutschland, aber auch im Ausland zu halten. Sie sprach gerne über die Integration der Frau in das Berufsleben, die Stellung der Frau gegenüber dem Mann, eine neuorientierte Mädchenbildung und ähnliches mehr.

Im April 1933, sogleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor Edith Stein ihre Dozentenstelle in Münster. Ein Angebot, als Dozentin nach Südamerika zu gehen, schlug sie aus.

Schwester Benedicta A. Cruce
Edith Stein konnte sich nun ihren Wunsch erfüllen: Am 14. Oktober 1933 trat sie in Köln in den Karmel ein. »Nun kam über mich die Ruhe des Menschen, der an sein Ziel angelangt ist.« Sie erhielt als neuen Namen Schwester Therese Benedicta a Cruce (d. h. die vom Kreuz Gesegnete). Bei aller Zurückgezogenheit in ein meditatives Leben prägten nicht Weltflucht, sondern Mitverantwortung ihre neun letzten Lebensjahre. Hier im Kölner Karmel verfaßte sie philosophische und theologische Arbeiten von hohem Rang. Unter anderem übersetzte sie das berühmte Buch von Thomas von Aquin »über die Wahrheit« und vollendete ihr philosophisches Hauptwerk »Endliches und Ewiges Sein.« Außerdem schrieb sie unermüdlich Rat- und Hilfesuchenden. Ihr schriftliches Erbe zeugt von einer profunden Kenntnis von Philosophie und Theologie, einem überaus scharfen und klaren Verstand und einer tiefen inneren Erfahrung, die ihresgleichen sucht. Dies war die Frucht eines lebenslänglichen Ringens um die Wahrheit, das sie von der glaubensunfähigen Atheistin zu einer Frau werden ließ, die sich dem Unbegreiflichen und Ewigen bedingungslos anvertraute. Trotz ihrer geistigen Überlegenheit empfanden sie ihre Schwestern als überaus bescheiden, unauffällig und liebevoll.

Die berüchtigte Kristallnacht 1938 offenbarte Edith Stein die bedrohliche Lage. Sie wollte den Kölner Karmel nicht gefährden, war aber auch nicht geneigt, sich zu verstecken oder heimlich zu fliehen. Das Angebot, im holländischen Karmel in Echt zu leben, nahm sie an.

Dort überdachte sie lange während geistlicher Übungen ihr Leben und schrieb darauf am 9.6.1939 ihr Testament, in dem unter anderem steht: »Schon jetzt nehme ich den Tod, den Gott mir zugedacht hat,... mit Freuden entgegen. Ich bitte den Herrn, daß er mein Leben und Sterben annehmen möchte... für die Rettung Deutschlands und für den Frieden der Welt.«

Mit der Besetzung Hollands durch die Deutschen begann man auch dort die Juden zu verfolgen. Edith Stein wurde am 2. August 1942 mit ihrer Schwester Rosa verhaftet. Sie nahm ihre verängstigte Schwester bei der Hand und sagte: »Komm, wir gehen für unser Volk!«


Ein jüdischer Geschäftsmann berichtete über Edith Stein im Lager Westerbork: »Unter den am 5. August eingelieferten Gefangenen fiel Schwester Benedikta auf durch ihre große Ruhe und Gelassenheit. Der Jammer im Lager und die Aufregung bei den Neueingetroffenen waren unbeschreiblich. Schwester Benedikta ging unter den Frauen umher, tröstend, helfend, beruhigend wie ein Engel. Viele Mütter, fast dem Wahnsinn nahe, hatten sich tagelang nicht um ihre Kinder gekümmert und brüteten in dumpfer Verzweiflung vor sich hin. Schwester Benedikta nahm sich sofort der armen Kleinen an, wusch und kämmte sie, sorgte für Nahrung und Pflege. Solange sie im Lager weilte, entwickelte sie mit Waschen und Putzen eine rege Liebestätigkeit, so daß alle darüber staunten.«

Am 7. August mußten sich alle Lagerinsassen zum Abtransport fertigmachen. Die Fahrt ging nach Polen. Am 9. August verlor sich die Spur Edith Steins in den Gaskammern von Auschwitz. Ein Leben der Versöhnung für die Rettung Deutschlands und den Frieden der Welt vollendete sich.

»Laßt uns nicht richten, daß wir nicht gerichtet werden! Uns alle trügt der Dinge äußerer Schein. Wir sehen Rätselbilder hier auf Erden. Der Schöpfer einzig kennt das wahre Sein.«

(Edith Stein 1940)
Text: Elisabeth Setzer

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