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Von Hengersberg über eigene Gleise in die ganze Welt

Dem Sägewerk Schwaiger gehört mittlerweile die Bahnlinie zwischen dem Firmengelände und dem Deggendorfer Hafen

Aus dem Lokalteil der 'Deggendorfer Zeitung' vom 20.10.2007



Von Hengersberg aus transportiert die DB Cargo Schnittholz zu den Seehäfen: Die ersten zehn Kilometer der Strecke fährt der Zug auf den firmeneigenen Gleisen des Sägewerks Schwaiger. (Foto: Roland Binder)


von Wendelin Trs
Hengersberg. "Bei einem P muss man pfeifen, ein F heißt Fahrt aufnehmen." Josef Schwaiger kennt sich aus mit den Bahnsignalen. Dem Sägewerk Schwaiger gehört mittlerweile die Eisenbahnlinie vom Werksgelände bis kurz vor dem Deggendorfer Hafen. Für den Betrieb eine enorm wichtige Anbindung an die Weltmärkte.
3000 Großwaggons im Jahr passieren die rund zehn Kilometer lange Strecke auf und von ihrem Weg zum Sägewerk. Dadurch können 8000 bis 9000 Lastwagenfahrten ersetzt werden. Angeliefert wird Rundholz, abtransportiert wird Schnittholz. Etwa 140 Kubikmeter Bretter passen auf einen Waggon. Von Hengersberg aus geht das Holz einmal am Tag mit der DB Cargo auf die Reise zu den Seehäfen wie Bremerhaven oder Rotterdam und von dort per Schiff in die USA, nach England, Schottland oder zum Teil auch in den Nahen Osten.
Für den exportstarken Betrieb in Hengersberg ist die Bahnanbindung deshalb "enorm wichtig", wie Schwaiger sagt. Die DB Netz hätte die ehemals stark renovierungsbedürftige Strecke stillgelegt, darum bemühte sich Schwaiger um die Linie. "Die DB Netz zieht sich aus der Fläche zurück. Das finde ich nicht richtig, wenn man sich den Lkw-Verkehr ansieht. Güter, wie wir sie haben, schreien förmlich nach der Bahn."
Einfach war es jedoch nicht, die Bahnlinie für den Hengersberger Betrieb zu sichern. Über vier Jahre zogen sich die Verhandlungen hin. "Gegen die Bahn ist der Buchbinder Wanninger nichts", findet Schwaiger, der auf MdB Barthl Kalb bauen konnte, wenn sich die Gespräche einmal festgefahren hatten. Ähnliche Erfahrungen hatten Landkreis und Gemeinden gemacht, als es um den Bau des Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Hengersberg und Eging ging.
Doch auch nach der Übernahme muss das Sägewerk für die Linie einiges leisten. Die Strecke wurde komplett saniert. Zwei Werksschlosser mussten sich zum Eisenbahnbetriebsleiter ausbilden lassen und eine Prüfung ablegen. Die Linie muss regelmäßig überprüft und gewartet werden, auch durch Experten von außen. Auch für die Brückenbauwerke ist nun die Firma zuständig.
Schwaiger denkt daran, den Bahntransport noch auszubauen. Die Gleise auf dem Werksgelände sind jedoch an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. "Es gibt jedoch hausinterne Pläne, die Gleise auf dem Gelände zu vergrößeren", kündigt er an.
Doch nicht nur die Bahn ist für das Sägewerk ein wichtiges Transportmittel. Seit in Hengersberg auch Pellets produziert werden, nimmt das Schiff eine immer größere Rolle ein. Vom Deggendorfer Hafen aus geht der Brennstoff über den Wasserweg hauptsächlich nach Belgien und Holland. Auch diese Kapazitäten werden noch ausgebaut, so Schwaiger. Er rechnet damit, dass im Hafen in absehbarer Zeit bis zu 30 000 Tonnen Pellets im Jahr aufs Schiff verladen werden.

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