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Die Ex-Kumari: Rashmila Shakya (Kathmandu)

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Kein Bild dieser Kumari
© Michael Murr
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Daten zur Person:

Name:
Rashmila Shakya

Geboren:
1980

Inthronisation:
?

Amtszeit:
1984 - 1991

Status:
 



Über Rashmila Shakya:

Rashmila ist heute (2008) 28 Jahre alt. Ihr Tag beginnt mit einer morgendlichen Puja gemeinsamen mit ihrer Familie, eine Erinnerung daran, dass sie einst die Kumari von Kathmandu war. Danach beginnt sie mit ihrer Arbeit als Softwareentwicklerin.
Einst als Mensch geboren, verwandelte sie sich im Alter von vier Jahren in eine Göttin und später wieder in einen normalen Menschen. Die leise sprechende Rashmila Shakya, welche einst die "lebende Göttin" Nepals war und als Kumari (jungfräuliche Göttin) im Kumari Bahal in Kathmandu verehrt wurde, ist heute Studentin der Information Technology (IT).
Rashmila lebt heute bei ihrer Familie im Bezirk Chikamugal nahe dem Basantapur- / Durbar-Platz, wo sie als Kumari lebte. Ihr Zimmer im vierten Stock ihres Elternhauses ist dekoriert mit Familienfotos, selbstgenähten Seidenkissen und einem Minnie-Mouse-Kuscheltier. Trotz der engen Verbundenheit mit dieser Tradition ist Rashmila die erste Kumari mit einer Schulbildung, die ihr ein Studium im technischen Bereich ermöglicht.

Gerne erinnert sich Rashmila an ihre Kindheit. "Wann immer ich an meine Kindheit denke, fühle ich mich glücklich und erinnere mich gerne daran, dass ich einst ein göttliches Wesen war. Normalerweise haben die Leute nur die Möglichkeit ihr Leben als Mensch zu erleben, aber ich hatte die Chance, auch andere Erfahrungen zu machen."
Auf die Frage nach Rashmila's schönstem Erlebnis als Göttin antwortet sie: "Ich genoss die alljährlichen Indra-Jatra-Feste und es war eine großartige Gelegenheit den Kumari Bahal zu verlassen und die nähere Umgebung zu sehen. Ich konnte auch immer kaum den Tag des Navaratri-Festes erwarten, da ich an diesem Tag allein laufen durfte, während ich sonst immer getragen, oder auf einem Wagen gefahren wurde."

Rashmila durfte Kumari Bahal nie für Ausflüge verlassen. Ihre Eltern besuchten sie jedoch oft im Palast. Die meiste Zeit des Tages verbrachte sie damit, ihre Anhänger zu empfangen, die sie täglich besuchten, oder mit den Kindern ihrer Betreuer im Kumari Bahal zu spielen. Eine Schulausbildung erfolgte nur eine Stunde täglich.
"Es war damals keine systematische Schulbildung. Ein alter Lehrer kam täglich in den Kumari Bahal, um mich zu Unterrichten. Das war aber nicht ausreichend. Heute werden Kumaris drei Stunden täglich Unterrichtet und auch regelmäßig Prüfungen unterzogen. Eine solch organisierte Ausbildung gab es während meiner Kumari-Zeit noch nicht." erklärt Rashmila.

Als sie 12 Jahre alt wurde, war das Ende ihrer Zeit als Göttin nahe. Denn traditionell kann ein Mädchen nur bis zum Beginn ihrer Pubertät und dem Einsetzen ihrer ersten Menstruation Kumari bleiben.
"Nach der Rückkehr nach Hause weinte sie oft und flehte uns an, sie nach Kumari Bahal zurückzubringen. Einmal gelang es ihr sogar von zu Hause wegzulaufen und sie fand zu unserer Überraschung auch den Weg zum Wohnsitz der Kumari am Durbar-Platz. Später erlaubten wir ihr für einige Tage dort zu bleiben." erklärte Surmila Shakya, Rashmilas Schwester.

Die erste "göttliche" Softwareentwicklerin:
Die Einschulung im Alter von 12 Jahren war auch für Rashmila eine Herausforderung. Dennoch war sie optimistisch, alle Hürden auf ihrem Weg zu meistern. Zu aller Überraschung erreichte sie, nach Jahren harter Arbeit, um den Lehrstoff aufzuholen, 70% in den SLC-Prüfungen*.
Rashmila Shakya wird damit die erste Ex-Kumari mit einem Hochschulabschluss sein. Sie begann mit dem Studium, um 2004 einen Abschluss als IT-Bachelor zu erhalten.
Die Studentin blickt optimistisch in die Zukunft, sucht einen guten Job und möchte in der Software-Branche hoch hinaus.

Nach ihrer Tätigkeit bei der "LUMANTI Support Group for Shelter" arbeitet Rashmila für eine Softwarefirma in Kathmandu und entwickelt dort Banking-Software. Zusätzlich arbeitet sie noch an ihrem Master-Abschluss.

Sensationsgier der nationalen und internationalen Medien:
Auf die Frage, ob die Kumari-Tradition ihrer Meinung nach eine Verletzung der Menschenrechte darstellt, antwortet Rashmila mit einem klaren Nein. "Nein, auf keinen Fall. Im Kumari Bahal wird sehr gut für uns gesorgt. Das Volk verehrt uns und wir repräsentieren unser Land auch International. Es gibt keinen Grund dafür die Kumari-Tradition mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung zu bringen."
Rashmila gibt den nationalen und internationalen Medien die Schuld daran, dass die Geschichten vom harten leben einer Kumari und deren Schwierigkeiten bei der Rückkehr ins normale Leben aufrechterhalten werden. "Allein die Medien mit ihrer Sensationsgier haben erst die Menschenrechtsorganisationen auf den Plan gerufen, hinter dem Kumari-Kult einen Kindesmissbrauch zu sehen und die Abschaffung der Tradition zu fordern. All das basiert auf einem Missverständnis der Tradition und dem Effect, den diese Geschichten auf viele Menschen im Westen haben. Es ist wahr, dass die Kumari nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwächst, aber sie können sie jederzeit besuchen. Wenn heute Eltern in aller Welt ihre Kinder auf ein Internat schicken, spricht auch niemand von Menschenrechtsverletzung."

* = School Leaving Certificate

Quellen z. T.:
http://haydneverest.blogspot.com/2008/11/from-goddess-to-mortal.html
http://www.kantipuronline.com/kolnews.php?&nid=112555 (Link nicht mehr verfügbar)

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