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Die Ex-Kumari: Anita Shakya (Kathmandu)

Ein besonderer Dank gilt Frau Nicola Reyk und Herrn Jürgen Hein,
die mir diesen Text ihrer WebSite freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.
Ein besonderer Dank gilt ebenfalls der Nepali Times für das Bild von Anita Shakya.

Anita Shakya damals und heute - Highslide JS
Anita Shakya damals und heute
© Nepali Times
Quelle: Life after the living goddess
mehr Details: hier

© Nepali Times
Quelle: Life after the living goddess
mehr Details: hier
Daten zur Person:

Name:
Anita Shakya

Geboren:
?

Inthronisation:
?

Amtszeit:
1978 - 1984

Status:
 



Über Anita Shakya:

Die Zeit als lebende Kind-Göttin Kumari ist für Anita lange vorbei. Die junge Frau sitzt auf dem Dach ihres Elternhauses in Nepals Hauptstadt Kathmandu und blickt zu dem Tempel hinüber, in dem sie sieben Jahre ihrer Kindheit verbracht hat.

In den Händen hält sie ein Bild aus ihrer Vergangenheit als Kumari. Es zeigt sie, wie sie im Alter von vier Jahren in einem prunkvollen Wagen durch die Stadt gefahren wird - in rot-goldene Prachtkleider gehüllt, die Kinderaugen schwarz umrandet. "Ich war sehr glücklich damals", sagt Anita leise.

"Immer kamen Menschen, um mich anzubeten", erzählt Anita, "den ganzen Tag lang." Der Kumari-Tempel hat einen Innenhof, an dessen Fenster sich die lebende Göttin den Besuchern zeigt. "Das hat mir gefallen", sagt Anita, "aber lieber habe ich gespielt." Zweimal im Jahr wird die Kumari mit einer prachtvollen Prozession durch die Städte Kathmandu, Patan und Bhaktapur gefahren.

Manchmal erzählt Anita ihrer Familie von den Prozessionen. Wenn ihr der schwere Schmuck der lebenden Göttin um den Hals gelegt wurde, habe sie eine andere Bewusstseinsebene erreicht. Mit Worten sei dieser Zustand nicht zu beschreiben. "Als ich zurück nach Hause musste, war ich unendlich traurig", sagt sie. "Ich habe tagelang meine Kumari-Kleider nicht ausgezogen."

Die immerhin durfte sie mitnehmen. Das Geld und die Geschenke, die sie während ihrer Zeit als Göttin bekommen hatte, behielt die Familie, die sich im Tempel um die Kumari-Mädchen kümmert. Anita bekommt nur eine Unterstützung von etwa dreihundert Rupien im Monat, weniger als drei Euro (Wechselkurs 2009: 1 NPR = 0,009 EUR). Etwas Lesen und Schreiben hat sie im Tempel gelernt. Eine Ausbildung, um sich später den Lebensunterhalt verdienen zu können, bekommt eine Kumari aber nicht.

Anitas Zeit im Kumari-Tempel liegt schon Jahre zurück. Aber ihre Seele hat sich in der normalen Welt noch immer nicht zurechtgefunden. Sie verlässt nicht gern das Haus, kennt nur wenige Leute außerhalb ihrer Familie. Ihre Tage verbringt sie meist vor dem Fernseher.

Selbst wenn sie wollte, würde sie nur schwer einen Ehemann finden. Eine ehemalige Kumari zu heiraten gilt als unglückbringend. Aber Anita denkt weder an Heirat noch an andere Zukunftspläne. "Ich war eine Kumari", sagt sie. "Das war die wichtigste Zeit meines Lebens."

Allgemeines:
Im Himalaya-Königreich Nepal wird die jungfräuliche Göttin Kumari von einem kleinen Mädchen verkörpert. Offiziell ist Nepal zwar ein hinduistischer Staat, aber die Kumari muss aus der buddhistischen Shakya-Kaste kommen. Sie darf am ganzen Körper keine Narbe aufweisen.

Ein religiöses Komitee bestimmt die Kumari-Kandidatin im zarten Alter von vier Jahren. Das auserwählte Mädchen wird dann aus der Familie geholt, um den Rest seiner Kindheit im Kumari-Tempel verehrt zu werden.

Das düstere Tempel-Haus aus roten Ziegeln und geschnitzem Holz gehört zum alten Zentrum der Königsstadt Kathmandu. Der Platz ist mit seinen Tier- und Götterskulpturen und den vielen geschwungenen Dächern Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische. Hier lebt das Kind fast ohne Kontakt zur Außenwelt.

Solange ein Mädchen Kumari ist, wird sie von den Nepalesen verehrt, selbst der König verneigt sich vor ihr. Aber mit ihrer ersten Menstruation ist die Zeit als Kumari vorbei und sie wird wieder nach Hause geschickt - ohne jede Vorbereitung auf das ganz normale Leben. Ein neues Kind übernimmt die Rolle der Göttin.

Quelle: http://www.knippscherhof.de/html/nepal2.htm

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