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Klimatisiert aus der Bahn-Steinzeit

Gestern rollte der erste von zwölf Lirex-Zügen an, die für mehr Komfort und weniger Verspätungen sorgen sollen.

Ein Artikel aus der Deggendorfer Zeitung vom 17.04.2010


Von Franz Danninger
Schneller wird er nicht mehr, der Zug München-Passau. Aber komfortabler: Um 10.53 Uhr fuhr gestern zum ersten Mal ein Lirex-Zug in den Passauer Bahnhof ein. Er ist der erste von zwölf, die ab Mitte des Jahres die alten Garnituren ablösen, die 20 bis 35 Jahre auf dem Buckel haben.
Seit Dezember 2009 gilt nun schon der neue Fahrplan Passau-München mit dem Stundentakt. Die kürzeste Fahrzeit beträgt zwei Stunden und vier Minuten, im Schnitt sind es sechs Minuten mehr. "Damit ist das derzeitig machbare Maximum erreicht", stellte Norbert Klimt, der Vorsitzende der DB Regio Bayern, bei der medienwirksamen Präsentation klar. Begrenzender Faktor ist dabei das Gleis, nicht der Zug. "Wegen der vielen Bahnübergänge können wir über lange Strecken nicht schneller als 120 Stundenkilometer fahren", erklärt Walter Karr, technischer Geschäftsleiter von DB Regio Ostbayern.
Normtempo ist 160. Und die erreichen die neuen Züge fix: Acht Motoren mit insgesamt 4000 PS beschleunigen 164 Tonnen in knapp 30 Sekunden von 0 auf 80 km/h. Nur mit solchen Werten sind die zwei Stunden vier Minuten zu erreichen. Damit das seit Dezember auch mit dem alten Wagenmaterial möglich ist, mussten oft zwei Lokomotiven vorgeschaltet werden.
Die neuen Züge schaffen das auch ohne "Fremdhilfe". Für Komfort sorgen Klimaanlage, drei große WC’s (behindertengerecht) und ein größerer Sitzabstand als bei den Lirex-Zügen, die schon München-Augsburg fahren.
Niederbayern erhält mehr Luxus als das Ballungsgebiet? Karr erläutert diesen ungewohnten Umstand: "Bei mehr als zwei Stunden Fahrzeit muss man mehr auf den Komfort achten als bei vierzig Minuten. Bei München-Augsburg ist es wichtiger, möglichst vielen Leuten Platz zu bieten."
Bis zu 1000 Fahrgäste können befördert werden, wenn man mehrere Lirexe zusammenkoppelt. Das wird man am Passauer Hauptbahnhof nie sehen: Hier starten oder enden immer Einheiten aus vier oder fünf Einzelwägen, die dann 230 bzw. 290 Sitzplätze aufweisen. Erst ab Landshut wird gekoppelt.
Einzelwägen heißt natürlich nicht abgeschottet: Jeder Zug ist durchgängig begehbar. Und jeder Platz verfügt über einen Klapptisch, die Vierer-Sitzgruppen über einen gemeinsamen festen Tisch. Im Sommerbetrieb opfert man ein paar Sitze, sodass man problemlos 30 Fahrräder unterbringt.
Die Vierer-Zugteile verfügen über ein 1.-Klasse-Abteil mit Steckdosen an den zwölf Ledersesseln, die Fünfer-Garnituren über zwei.
Rund fünf Millionen Euro kostet ein Zug. Abstimmungsprobleme verhinderten, dass das Dutzend schon ab Dezember kam. Dass sie behoben wurden, das sei auch Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer zu verdanken, betont Klimt. Scheuer selbst sprach gestern von einem neuen attraktiven Angebot, das auch helfe, Verspätungen noch weiter in den Griff zu bekommen. "Wir sollten alle zusammenhelfen, um die Gäste zu überzeugen, die Bahn zu nutzen."

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