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(Ver)kommt die Bahn in Ostbayern?

Artikel aus der Deggendorfer Zeitung vom 15.09.2010


Flughafenanbindung:
Das Zauberwort heißt "Erdinger Ringschluss". Über die "Neufahrner Kurve" soll der Flughafen an die Bahn nach Passau und über die S-Bahn nach Erding und die "Walpertskirchener Spange" an die Strecke nach Mühldorf angebunden werden, um Ostbayern, das südöstliche Oberbayern und das südwestliche Niederbayern an den Flughafen anzuschließen. Ein Erfolg ist, dass überhaupt Bewegung in das Thema kommt. Aber: Zeitpläne wurden mehrmals verschoben; eine Umplanung bei Erding lässt weitere Verzögerungen erwarten. Manko für Passauer Flugreisende: Nach jetzigen Planungen müssen sie mit ihrem Gepäck in Landshut umsteigen, die Regensburger fahren direkt. Und: Die teurere "Marzlinger Spange" wurde vorerst ad acta gelegt. Sie wäre für den Raum Passau die günstigste Anbindung gewesen: Von der "Neufahrner Kurve" profitiert wieder Regensburg stärker.
Das bayerische Verkehrsministerium sagt: Die Chancen für eine Verwirklichung der "Marzlinger Spange" könnten sich nur dann ergeben, wenn sich die potenzielle Nachfrage für Verbindungen gravierend steigern ließe. Die Direktverbindung aus Passau sei nicht ausgeschlossen, aber auch hier müsste die Nachfrage steigen.

Bahn in Bayerns Chemiedreieck:
Trotz vieler Versprechungen seit Jahrzehnten gibt es immer noch keine Finanzierungsvereinbarung für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Mühldorf und Tüßling im oberbayerischen Landkreis Altötting. Diese einspurige und nicht elektrifizierte Bahnstrecke ist ein krasser Engpass im wachsenden Güterverkehr aus dem sowie ins bayerische Chemiedreieck. Über den Engpass führen auch die Trassen von Mühldorf nach Salzburg und von Mühldorf nach Traunstein mit Personenzug- und ebenfalls wachsendem Güterverkehr. Ein mit viel Tamtam für diese Strecke gefeierter Spatenstich im Frühjahr 2010 galt nur dem Neubau einer Bahnbrücke über den Inn bei Mühldorf. Die Brücke soll zwar für eine zweispurige Trasse gebaut werden, aber bis auf unbestimmte Zeit nur eine einspurige Trasse tragen und so den Engpass festschreiben.

München - Mühldorf:
Diese Bahntrasse war bereits bei ihrer Eröffnung vor rund 140 Jahren für einen zweispurigen Ausbau angelegt. Seither hat sich diese Strecke zu einer der bestgenutzten Verbindungen im Personenzugverkehr für Pendler und Reisende nach München sowie zu einer zunehmend überlasteten Güterbahnstrecke entwickelt. Zwischen Markt Schwaben und Ampfing ist sie nach wie vor eingleisig. Zwischen Markt Schwaben und München hat die Trasse zudem einen dichten S-Bahnverkehr zu verkraften. Ein zweispuriger Ausbau mit Elektrifizierung zwischen Markt Schwaben und Mühldorf mit Weiterführung ins Chemiedreieck und nach Salzburg wurde seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer wieder in Aussicht gestellt, versprochen, in der politischen Projektierung modifiziert und dann doch immer wieder verschoben; abgesehen von einem kurzen Stück Mühldorf - Ampfing.
Um den Begegnungs-, aber auch Überholungsverkehr von Personen- und Güterzügen zwischen München und Mühldorf rationell zu entflechten, reicht dieser kurze Begegnungsabschnitt nicht aus. Kleinere Verzögerungen einzelner Züge schaukeln sich durch die enge Vertaktung zu veritablen Verspätungen hoch. Das ist nicht nur ein Problem im Personenverkehr, sondern zunehmend auch im Güterverkehr. Die versprochene Elektrifizierung gilt nicht nur als Voraussetzung für umweltfreundliche und leistungsfähigere, damit auch rationelle Zug-Traktionen, sondern auch für die Möglichkeit, über die "Walpertskirchner Spange" einen Anschluss zur elektrifizierten S-Bahn in Erding für Pendlerzüge zum Flughafen München zu erreichen und sie über den "Erdinger Ringschluss" zur Stammstrecke München - Passau bei Freising zu führen.

Verbindung Plattling - Landshut:
Die Gleise zwischen Plattling und Landshut sind in einem schlechten Zustand, ein großes Problem stellt zudem der nur eingleisige Ausbau in diesem Abschnitt dar. Weiteres Manko: Wegen des Ausbauzustands kann die Strecke nicht mit Tempo 160 befahren werden.
Die Bahn sagt: Die Strecke wird sukzessive durch Oberbauerneuerungen und die Beseitigung von Bahnübergängen modernisiert. Im Juni wurden im Bereich Dingolfing etwa die Gleise komplett erneuert. Leider gestalten sich die Baurechtsverfahren zu Bahnübergängen teilweise schwierig. Für die Erhöhung der Geschwindigkeit auf 160 km/h sind Modernisierung und Beseitigung von Bahnübergängen wichtige Voraussetzung.
Anmerkung vom Betreiber dieser Website: Bereits beim Bau der Bahnstrecke 1875 - 1880 wurde der Abschnitt Pilsting - Landau (Isar) zweigleisig ausgebaut. Dieses zweite Gleis wurde aber im Krieg 1942 abgebaut und in die besetzten Ostgebiete überführt.

Barrierefreier Bahnhof-Umbau:
Der barrierefreie Umbau der Bahnhöfe Passau, Deggendorf und Straubing lässt weiter auf sich warten. Besonders in Deggendorf drängt die Zeit, denn 2014 steht für die Stadt das Großereignis Landesgartenschau an.
Die Bahn sagt: Die DB befürwortet grundsätzlich den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe, sofern die Finanzierung durch Bund und Land gesichert ist. Bahn und Freistaat haben festgelegt, dass der barrierefreie Ausbau von großen und fahrgaststarken Verkehrsstationen wie beispielsweise Ingolstadt, Rosenheim, Aschaffenburg, Augsburg sowie die S-Bahn-Systeme München und Nürnberg bis 2012 vorrangig umgesetzt werden. Der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe Passau, Deggendorf und Straubing war nicht Bestandteil der ersten Tranche des Vertrages mit dem Freistaat Bayern. Für einen Ausbau der Bahnhöfe ist die Aufnahme in die 2. Tranche des Bayernpakets für den Zeitraum 2013-2018 Voraussetzung.

Langsame Züge der Rottalbahn:
Der Fahrbahnwechsel hat Verbesserungen bei der Zugfrequenz gebracht, u. a. wegen der vielen unbeschrankten Bahnübergänge fahren die Züge auf Deutschlands längster Nebenbahn jedoch immer noch sehr langsam.
Die Bahn sagt: Mit Aufnahme des Stundentaktes auf der Rottalbahn wurden große Abschnitte zwischen Passau und Neumarkt-St. Veit von 60 auf 80 km/h angehoben.Im Rahmen der Konjunkturprogramme II des Bundes plant die Südostbayernbahn noch im Oktober und November 2010 weitere Maßnahmen zur Beschleunigung. Im Bahnhof Karpfham wird die Signaltechnik angepasst. Im Abschnitt Pocking - Sulzbach sollen auf einer Länge von siebeneinhalb Kilometern die Schienen, Schwellen und Bahnübergangsbeläge erneuert werden. Teilweise werden Züge künftig bis zu 20 km/h schneller fahren können.

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