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Per Bahn zu Piroschka
Die Bahnstrecke "Szeged - Hódmezovásárhely - Székkutas - Orosháza - Békéscsaba"

Die Bahnlinie von Szeged über Hódmezovásárhely, Székkutas, Orosháza nach Békéscsaba ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte, ca. 97 km lange Eisenbahnstrecke in der südlichen Tiefebene Ungarns.

Die Strecke wurde 1870 unter der Führung der Alföld-Fiumei-Eisenbahngesellschaft als Teil der Strecke Nagyvárad (Oradea / Rumänien) - Békéscsaba (Tschabe / Ungarn) - Szeged (Szegedin / Ungarn) - Szabadka (1740-1918 Maria-Theresiopel / Serbien) - Zombor (Sombor / Serbien)) - Eszék (Osijek / Kroatien) erbaut und ging 1884 in den Besitz der königlich-ungarischen Staatsbahn über.

Die Strecke wurde seit ihrem Bau mehrmals umfangreich modernisiert. Die letzten größeren Bauarbeiten fanden in den 1970er und 1980er Jahren statt. Die Strecke ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausgelegt.

Der Abschnitt Békéscsaba - Szeged trägt heute die Liniennummer 135. Ab Szeged führt die Linie 136 südlich weiter zur serbischen Grenze, während ab Békéscsaba die Linie 128 östlich zur rumänischen Grenze führt.

Die Verbindung wird in Zukunft eine stärkere Rolle im ungarischen Fernzugnetz spielen. Mehrere Nebenstrecken sind an die Linie angeschlossen und die Orte Hódmezovásárhely und Orosháza bilden wichtige Knotenpunkte. Früher gab es viele kleine Nebenbahnen, auf denen überwiegend Güterverkehr stattfand, aber die sind heute längst stillgelegt.

Planung:
Bereits im 19. Jahrhundert entstanden die Pläne zum Bau der Bahnlinie um eine Verbindung zum Seehafen zu schaffen. Der Export von ungarischem Qualitätsweizen versprach ein gutes Geschäft, aber das Straßennetz war nur wenig ausgebaut. Auch der Transport auf dem Wasserweg gestaltete sich, aufgrund der stark schwankenden Wasserstände, schwierig.

1843 entstand der Plan zum Bau einer Bahnlinie von Osijek nach Szeged. 1851 plante Österreich eine Bahnlinie von Pécs über Mohács nach Szeged und 1861 entstand der Plan für eine Bahnlinie von Szeged nach Békéscsaba.

Der Fahrbetrieb:
Die Strecke wird im Personenverkehr stündlich bedient. Die meisten Personenzüge verkehren als Wagenzüge mit einer vorgespannten Diesellok der MÁV-Baureihe M41. Seltener verkehren Dieseltriebzüge der MÁV-Baureihe 6341. Die Fahrzeit von Szeged nach Békéscsaba beträgt, je nach Zug, ungefähr 2 Stunden. Auf der Strecke findet auch ein regelmäßiger Güterverkehr statt.

Streckenverlauf

Szeged
Szeged-Rendezo
Szeged-Rókus
Baktó
Algyo
Sártó
Vajhát
Kopáncs
Kishomok
Hódmezovásárhely Népkert
Hódmezovásárhely
Rárós
Csomorkány
Kútvölgy
Sóshalom
Kutasi puszta
Székkutas
Szokehalom
Kakasszék
Pósahalom
Orosháza
Monori tanyák
Orosházi tanyák
Csorvás
Csorvás-alsó
Telekgerendás
Fürjes
Békéscsaba
Besonderheiten
Die Strecke erlangte Berühmtheit durch Hugo Hartung's Buch "Ich denke oft an Piroschka", sowie den gleichnamigen Film.
Auf der Strecke liegt nämlich der unaussprechliche Ort "Hódmezovásárhelykutasipuszta", der heute Székkutas heißt. Der Film wurde zwar nicht dort gedreht, aber die Geschichte, wie sie Hugo Hartung in seinem Buch niederschrieb, hat sich dort zugetragen.

Heinz Peter Stelten hat ab 1989 recherchiert und in YouTube folgendes geschrieben:

Als ich 1989 das erste Mal in Ungarn war, dachte ich an den Film. Zurück in Deutschland war mein Interesse geweckt und ich begann nachzuforschen. Der Film "Ich denke oft an Piroschka" basiert auf dem Roman von Hugo Hartung, 1972 gestorben.
Was nicht jeder weiß, Hugo hieß mit vollem Nahmen Hugo-Andreas (Andi) Hartung.
Ich besorgte mir also seine Biografie, und richtig, es gab eine wirkliche Piroschka. Aber wo war nun das Nest Hódmezovásárhelykutasipuszta?

Ich wusste es lag an einer Bahnlinie und der Nachtzug von Orosháza musste mit der Bahnlinie zu tun haben. Und da gab es wirklich einen Ort, der Hódmezovásárhely heißt (eine mittelgroße Stadt). Ich also 1990 da hin. Das war aber nicht der richtige Ort. Ich also entlang der Bahnlinie nach Orosháza. Ich fuhr weiter und kam nach Székkutas, so heißt der Ort heute.
Also da stand ich nun in einer Kleinstadt und wusste noch nicht, dass dies der gesuchte Ort war. An der Umgehungsstrasse standen mittlerweile hunderte von Häusern, aber wenn man die alte Dorfstraße befuhr, kam man an alten kleinen Häuschen und auch an einem Bahnhof vorbei. Ich suchte nun nach jemanden der mir helfen konnte und ging zum Dorfpfarrer in der Hoffnung er hätte was gelesen. Aber leider wusste er, wie die andern Dorfbewohner, auch nichts von einem Film "Ich denke oft an Piroschka". Der Film war nicht dort gedreht worden und Ungarn war im Ostblock von Deutschland ziemlich abgeschieden. Ich klärte ihn mit meinem Buch auf und er staunte nicht schlecht. Ich wusste ja, dass Hugo Andi Hartung als Student 1925, also mit 23 Jahren hier war. Der Pfarrer schlug mir vor, zu einem der Ältesten im Dorf, dem Dorfschmied zu gehen und ihn zu fragen.

Der Dorfschmied war damals (1925) 16 Jahre alt. Er erinnerte sich an die Sache, Gast aus Deutschland kam damals wohl nicht so häufig vor. Er erzählte von den Beiden, Andreas und ... nein, Piroschka hieß die "echte Piroschka" nicht. Sie hieß Katy. Er zeigte uns auch den Hof, in dem Hartung damals wohnte. Ein trauriger Anblick, denn der Hof war völlig herunter gekommen und baufällig, eine Schande für jeden Piroschka-Fan. Hier im Dorf ist es halt irgendein alter Hof. Er gehörte übrigens damals dem Tierarzt.
Der Bahnhof stand auch noch da. Ein sehr schmuckloses Gebäude, an dem zig Jahre Sozialismus ihre Spuren hinterlassen hatten. Der Bahnhof ist übrigens etwas größer als in dem Film. Ich erfuhr vom Schmied so manche Insiderkenntnisse, dass Piroschka (Katy) oben im Bahnhof wohnte. Sie war aber nicht die leiblich Tochter des Bahnhofvorstehers, sondern eine angenommene Tochter.

Im darauf folgenden Jahr war ich dann wieder dort und brachte das Video von dem Film mit. Der Film ging durch das halbe Dorf. Inzwischen interessierte den Dorfpfarrer, der inzwischen mein Freund war, die Sache auch und ein oder zwei Jahre später gab er mir dann eine frohe Nachricht. Er hatte die "echte Piroschka" von damals gefunden.

Sie wohnte etwa 80 km entfernt von Székkutas. Wir fuhren zu ihr, um sie zu besuchen. Sie war inzwischen eine sehr alte Frau, die uns freundlich empfing und mit dem Pfarrer (er heißt Imre) auf Ungarisch allerhand besprach. Imre übersetzte mir das dann. Zuletzt machten wir noch ein Foto von uns dreien und Piroschka (Katy) schrieb mir was in mein mitgebrachtes "Piroschka-Buch". So bin ich wohl einer der wenigen, die dieses Glück hatten. Ich fuhr jedes Jahr in den Ort und besuchte Imre. Dann kam die Nachricht, das Piroschka (Katy) gestorben war.

Tja, inzwischen ist alles anders, ich war rund 8 oder 10 Jahre nicht mehr dort. Mein Freund Imre schrieb mir, dass es seit kurzem ein "Piroschka-Museum" gibt. Meine Nachforschungen haben sich also gelohnt.


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